Sonntag, 24. Juni 2012

Philosophie für Kinder - Das sokratische Gespräch

Warum machen wir NASEWEISen Theater für Kinder und Jugendliche? Ganz einfach: Weil wir glauben, dass Theater mehr kann als Unterricht oder eine gut gemachte Fernsehsendung. Es verbindet das Live-Erlebnis des Unterrichts und interessanten Informationsgehalt mit unmittelbarer und komplexer sinnlicher Erfahrung und ist somit eine ideale Ergänzung im schulischen Kontext.
Gutes Theater erzählt Geschichten, aber verknüpft diese darüber hinaus mit weiteren Refelxionsebenen, die sich nicht immer auf Anhieb intellektuell erschließen müssen. Manchmal sind es Bilder, manchmal Situationen, die etwas in uns berühren und sogar noch Tage später zum Nachdenken und Nachspüren anregen können. Der erhobene Zeigefinger hingegen entbindet das Publikum in der Regel davon, sich selber über eine Position zum Thema  im Klaren zu werden. Dies gilt auch für Kindertheater. Die Ausdrucksmittel hierbei sind vielfältig. Die eine richtige Form gibt es nicht, davon sind wir überzeugt. Aber unser Anspruch ist es, Fragen aufzuwerfen, zu denen jeder eigene Antworten finden kann. Philosophie und Theater haben einiges gemein.

Auch in der Philosophie geht es um Fragen. Viele dieser Fragen lassen die unterschiedlichsten Antworten zu. Und oft genug fällt es schwer, sich als Erwachsener einzugestehen, dass man nicht auf jede Frage von Kindern eine eindeutige Antwort liefern kann. Dabei kommt manchmal das besondere Erlebnis, gemeinsam nach möglichen Antworten zu suchen, zu kurz. Aus Unsicherheit weichen wir aus antstatt die eigene Ratlosigkeit als Chance zu begreifen, unsere Neugier zu spüren und dazu zu lernen.

Die Methode des Sokratischen Gesprächs 

Das sogenannte Sokratische Gespräch ist eine Methode, die sich bei Gesprächen mit Kindern über philosophische Fragen bewährt hat. Philosophie ist „das ständige, prinzipiell unabschließbare Weiterdenken im Umgang mit nicht eindeutig zu beantwortenden Fragen“ (Hering, S. 22). Im Gegensatz zu anderen Lehrformen, in denen Kinder zu bereits vorgefertigten Antworten hingeführt werden, gibt es hier häufig kein eindeutiges richtig oder falsch. Das philosophische Gespräch hat die Fragen der Kinder zum Thema.

Die wichtigsten Merkmale

- Das sokraktische Gespräch setzt auf die Vernunft aller Menschen als Möglichkeit, mit ihrer Hilfe der Wahrheit im forschenden Nachdenken nach festgelegten Regeln ein Stück näher zu kommen.
- Scheinbare Gewissheiten des Alltags werden kritisch hinterfragt, Aussagen auf ihre Gültigkeit hin überprüft, Begriffserklärungen vorgenommen und neue Erkenntnisse auf ihre Konsensfähigkeit hin getestet.
- Gesprächsziel ist der Konsens in der Gesprächsgruppe.
- Die gefundene und formulierte Antwort auf die bearbeitete Frage gilt als Wahrheit der Gesprächsgruppe zum jeweiligen konkreten Zeitpunkt.
- Die Antwort ist nicht absolut zu setzen. Damit ergibt sich die Chance, sie immer wieder aufs Neue überprüfen zu können.
- Im sokratischen Gespräch zählt in der Argumentation nur das vernünftige Argument, das durch das eigene Denken entstanden ist.
- Die Berufung auf die Aussage von Lehrern oder anderen Autoritäten ist nicht gestattet.
- Alle Stimmen sind gleichberechtigt, jede Stimme ist wichtig und zählt.
(nach Gleitz, S. 42)

Aufgaben der Gesprächsleitung 

Die Gesprächsleitung hat vor allem die Aufgabe, auf die Einhaltung der Regeln zu achten und sich an den Fragen der Kinder zu orientieren. Sie gibt keine Antworten vor, sondern leitet die Kinder an, selber Antworten auf die Fragen zu finden.
Es ist davon auszugehen, dass Kinder nicht alle Fragen stellen, die zur Erörterung des Problems wichtig erscheinen, da sich ihre Erfahrungswelt noch deutlich von der Erwachsener unterscheidet. In diesem Fall darf die Leitung lenkend eingreifen, indem sie weitere Fragen in den Raum stellt. Diese dürfen nicht suggestiv formuliert sein, sondern müssen in ihrer Beantwortung offen bleiben.

Ziele 

Ziel dieser Übung ist es, im Gespräch logische Argumentation zu üben, ebenso zu  Kommunikationskompetenz und Eigenständigkeit im Denken zu gelangen. Die Kinder werden bei dieser Form des Gesprächs angeleitet, es wird ihnen keine vorgefertigte Meinung aufgedrängt. Vielmehr gelangen sie durch den Dialog in der Gruppe zu einem gemeinsamen Konsens.

Literatur 

- Barbara Gleitz: „Erde, Himmel, Gott und ich, Philosophieren mit Kindern“, Göttingen 2004
- Jochen Hering: „Die Welt frag-würdig machen, philosophisches Nachdenken mit Kindern im Grundschulalter“, Baltmannsweiler Schneider-Verl. Hohengehren 2004

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